Orbis Balticus – Tag 20

Am See

Es hieß, dass hier vor allem Letten und Polen gerne und ausgiebig feiern.

Offensichtlich haben wir Glück.

Wir verbringen eine ruhige Nacht und genießen am nächsten Morgen die noch angenehmen Temperaturen im Schatten der Bäume.

Mit Kaffee natürlich.

Ich gehe noch ein paar Fotos von der russischen Grenze machen, als die Stille plötzlich ziemlich unsanft unterbrochen wird.

Mein Telefon schlägt Alarm.

Cell-Broadcast.

Kurz darauf schrillen auch überall um mich herum die Telefone.

Was ist passiert?

Zum Glück nichts.

Es ist lediglich eine Warnung vor den heftigen Gewittern, die für den Abend erwartet werden.

Na dann.

Bis dahin haben wir ja noch ein bisschen Zeit.

54° 21’N 22° 50’E – Witamy w Polsce

Wir sind im letzten Land unserer Reise angekommen.

Polen.

An der Grenze werden wir kontrolliert. Damit haben wir gerechnet.

Die drei polnischen Grenzbeamten sind freundlich – und offenbar ein wenig überrascht, dass wir tatsächlich Deutsche sind.

Warum, verstehen wir erst später.

In Polen begegnen uns auffallend viele Fahrzeuge mit Kennzeichen aus allen möglichen europäischen Ländern, deren Fahrer offensichtlich Polen sind. Ein deutsches, französisches oder britisches Kennzeichen sagt hier also nicht unbedingt viel darüber aus, wer darin sitzt.

Nachdem geklärt ist, dass mit unseren Papieren alles in Ordnung ist, wird aus der Grenzkontrolle ein ziemlich entspanntes Gespräch.

Einer der Beamten erzählt uns, dass diesen kleinen Grenzübergang nur wenige Reisende nutzen, die nicht aus dem Baltikum oder aus Polen kommen.

Den See, von dem wir gerade kommen, kennt er ebenfalls. Privat fährt er selbst hin und wieder dorthin.

Und wenn wir schon einmal hier sind, sollten wir uns auch noch das Dreiländereck ansehen.

Machen wir.

Irgendwann nähert sich allerdings von der polnischen Seite ein Fahrzeug.

Damit ist unser Gespräch ziemlich abrupt beendet.

Denn zwei Fahrzeuge passen hier schlicht nicht aneinander vorbei.

Also verabschieden wir uns und fahren weiter.

Dreiländereck

Hier grenzen tatsächlich drei Länder aneinander:

Polen, wo wir gerade stehen.

Litauen, wo wir gerade herkommen.

Und Russland mit der Exklave Kaliningrad, wo wir gerade hinschauen.

Und die wir auch fotografieren.

Wie wir später lesen, ist das von der polnischen Seite aus offenbar zumindest keine ganz unproblematische Idee.

Nun ja.

Es gibt hier sogar einen kleinen Kiosk.

Leider nur mit Barzahlung.

Was das angeht, sind wir also endgültig wieder fast in Deutschland angekommen.

Der Storch nebenan zeigt sich von all dem vollkommen unbeeindruckt.

Auch meine Anwesenheit interessiert ihn kaum. Er sucht einfach weiter nach Futter.

Lidl

Lidl hat in jedem Land irgendwie etwas Besonderes zu bieten.

Aber eben auch erstaunlich viel Vertrautes.

Nicht umsonst haben wir in Irland schon den Scherz gehört, Lidl sei der Treffpunkt für Expats.

Für uns ist das heute vor allem praktisch.

Kurz rein, ein paar wichtige Dinge wie Trinkwasser kaufen und wieder weiter.

Wobei …

Dosentomaten von Mutti?

Die gibt es offenbar auch hier.

So weit weg von zu Hause können wir also gar nicht mehr sein.

Bargeld ist sicher auch nicht schlecht.

Wer weiß, ob der nächste Stellplatz Karten akzeptiert.

Mit etwas Aufwand finden wir schließlich auch einen Parkplatz in Gehreichweite zur nächsten Bank.

Aufwand deshalb, weil wir natürlich nicht falsch parken wollen – auch wenn man das hier nach unserer kurzen Beobachtung offenbar nicht ganz so streng sieht.

Und ausgerechnet heute ist rund um die Bank ziemlich viel los.

Entsprechend knapp sind die Parkplätze.

Campingplatz

In zwei Facebook-Gruppen, bei Park4Night und nicht zuletzt bei Google hat dieser Campingplatz in den Masuren ausgesprochen gute Bewertungen.

Für uns ist er vor allem eine praktische Option auf dem Rückweg.

Und er bietet uns die Gelegenheit, noch einmal in einen See zu springen und uns von der Hitze des Tages abzukühlen.

Temperaturen von über 30 °C fühlen sich für uns immer noch ungewohnt an.

Das Einchecken geht schnell. Der Sohn der Besitzerin hilft dabei, denn er spricht Englisch, während sie offenbar nur Polnisch spricht.

Aber irgendwie hätten wir das vermutlich auch so hinbekommen.

Wir können zwischen verschiedenen Stellplätzen wählen und entscheiden uns strategisch für einen Platz, bei dem die Wahrscheinlichkeit eher gering ist, dass uns bei einem Gewitter ein Ast aufs Auto fällt.

Oder gleich ein ganzer Baum.

Man weiß ja nie.

Kaum sind wir im See, wird allerdings klar, dass das erste Gewitter nicht mehr lange auf sich warten lässt.

Rund 200 Meter Schwimmstrecke schaffen wir noch, dann beenden wir unser Bad vorsichtshalber.

Perfektes Timing.

Gerade als wir uns abgetrocknet haben, beginnt es zu regnen.

Dieses Gewitter ist allerdings nur der Auftakt für den Hauptakt später am Abend.

Danach würden wir eigentlich gerne draußen sitzen. Die Stühle wandern aber mehrfach raus und wieder rein, weil es immer wieder anfängt zu regnen.

Das Tarp aufzubauen ergibt angesichts der Wettervorhersage auch keinen wirklichen Sinn.

Und dann geht es richtig los.

Für ungefähr eine Stunde geht draußen quasi die Welt unter.

Wir sitzen trocken im Van und haben von unserem Stellplatz auf einem kleinen Hügel einen ziemlich guten Blick auf das Spektakel rundherum.

Gegen 21 Uhr ist der Spuk vorbei.

Inzwischen ist allerdings alles nass und es wird dunkel.

Also bleiben wir mit geöffneter Schiebetür und offenen Fenstern im Van sitzen und genießen dort unser wohlverdientes Feierabendbier.

Kann man auch machen.

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