Orbis Balticus – Tag 22

Ein ruhiger Morgen

Wir haben hervorragend geschlafen.

Wenn auch vielleicht ein bisschen kurz.

Heute werden wir nach Hause fahren.

Aber noch nicht sofort.

Zunächst wollen wir noch ein wenig die herrlich ruhige Atmosphäre dieses Platzes genießen und uns das alte Kalkwerk etwas genauer ansehen.

Ein bisschen Zeit haben wir schließlich noch.

Das Kalkwerk

Die wahrscheinlich größte Besonderheit des Geländes ist der kleine See im ehemaligen Kalksteinbruch.

Das Wasser ist wunderbar klar und soll laut Besitzerin leicht alkalisch und dadurch besonders hautverträglich sein.

Einen Zugang zum Baden gibt es natürlich auch.

Überhaupt ist das Gelände erstaunlich grün.

Es gibt einen großen alten Baumbestand, darunter zahlreiche Obstbäume. Wenn die Früchte reif sind, dürfen sich die Gäste einfach bedienen.

Wir stehen ja im „Rosengarten“.

Gleich nebenan befindet sich ein Kräutergarten – und auch dort dürfen wir ernten, was wir gebrauchen können.

Eine Suche im Internet führt uns schließlich zu einem Vorentwurf des Vorhaben- und Erschließungsplans für das Gelände.

Klingt zunächst einmal sehr deutsch.

Interessant ist aber, was darin steht.

Denn langfristig soll hier offenbar wesentlich mehr entstehen als nur ein Wohnmobilstellplatz.

Der Plan

Das ehemalige Kalkwerksgelände soll touristisch genutzt werden, ohne dabei seinen besonderen Charakter zu verlieren.

Historische Relikte des Kalkabbaus, die teilweise ruinösen Gebäude, der alte Baumbestand, die vorhandenen Wege und natürlich der ehemalige Steinbruchsee werden als prägende Bestandteile des Areals in die Planung einbezogen.

Geplant ist allerdings ein ziemlich umfangreiches Freizeit- und Campingareal.

Mehrere voneinander getrennte Bereiche für Wohnmobile und Caravans sollen entstehen, dazu eine große Zeltwiese und ein weiterer Zeltplatz. Vorgesehen sind außerdem Sanitärgebäude mit Duschen und Toiletten, Waschmöglichkeiten sowie die übliche Ver- und Entsorgung.

Und damit ist noch lange nicht Schluss.

Im Plan finden wir einen Kiosk mit Bäcker und Anmeldung, einen überdachten Biergarten, Grill- und Spielplätze, einen Wellnessbereich, Kinderbetreuung und sogar ein Museum.

Dazu kommen ein Restaurant mit Motel, Lagerhallen für Boote und Wohnmobile sowie Carports und Garagen.

Und eine Hobbywerkstatt.

Die gibt es tatsächlich jetzt schon.

Das Interessante an diesen ziemlich ambitionierten Plänen ist aber, dass daraus offenbar kein komplett durchgestylter Campingplatz werden soll.

Gerade die Mischung aus Natur, alten Kalkwerksgebäuden, Gärten, See und den etwas verwunschenen Ecken des Geländes soll erhalten bleiben.

Hoffentlich gelingt das.

Denn genau dieser etwas unfertige Charakter macht den Platz für uns im Moment so besonders.

Der aktuelle Stand

Inzwischen ist die Planung allerdings deutlich weiter als in dem von uns gefundenen Vorentwurf.

2023 hat der Görlitzer Stadtrat einen neueren Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans gebilligt und zur öffentlichen Auslegung bestimmt.

Den dazugehörigen detaillierten Vorhabenplan finden wir im Netz allerdings nicht. Und auch ob das Bebauungsplanverfahren inzwischen vollständig abgeschlossen und der Plan rechtskräftig geworden ist, können wir nicht herausfinden.

Im Gespräch mit der Besitzerin erfahren wir ohnehin, dass sich die Vorstellungen inzwischen teilweise weiterentwickelt haben.

So werden die ursprünglich geplanten Angebote speziell für Kinder wahrscheinlich nicht in diesem Umfang umgesetzt. Der Aufwand, den See und die verlassenen Gebäude entsprechend abzusichern, wäre wohl schlicht zu groß.

Stattdessen könnte sich der Platz künftig eher an ein etwas gesetzteres Publikum richten.

Auch beim Strom gibt es noch Herausforderungen.

Ein Anschluss beziehungsweise Wiederanschluss des Geländes an das öffentliche Stromnetz wäre offenbar ausgesprochen teuer. Deshalb wird inzwischen darüber nachgedacht, den benötigten Strom selbst mit Photovoltaik und Batteriespeichern zu erzeugen.

Eigentlich würde das ziemlich gut zu diesem Platz passen.

Einkaufen

Da davon auszugehen ist, dass unser Kühlschrank zu Hause nicht mehr unbedingt alles enthält, was wir für den Rest des Wochenendes und den Wochenanfang brauchen, erledigen wir den Einkauf einfach noch in Görlitz.

Der Marktkauf liegt dafür ausgesprochen praktisch auf unserem Weg zur Autobahn.

Parken ist mit einem Van der Sechs-Meter-Klasse ebenfalls kein Problem.

Und obwohl Samstag ist, kommt uns hier alles erstaunlich entspannt vor.

Wir sind wohl endgültig wieder im Alltag angekommen.

Harpersdorf

Rastplatz ohne Parkplätze für Wohnmobile.

Wenn man schon neue Schilder aufstellt und alles fein säuberlich regelt – warum vergisst man dann die Wohnmobile?

Auf die PKW-Parkplätze passen wir wegen der Höhenbegrenzung nicht.

Also bleibt uns nur der Bereich für LKW und Busse.

Dort dürfen wir laut Beschilderung allerdings ebenfalls nicht stehen.

Perfekt geregelt.

Nur parken dürfen wir nicht.

Zuhause

An dieser Stelle gibt es tatsächlich nur ein sehr kurzes Fazit.

Wir hatten eine geniale Zeit.

Wir haben unglaublich viel gesehen.

Und die Zeit war trotzdem viel zu kurz.

Gerne wären wir noch ein paar Wochen länger unterwegs gewesen.

Vor allem die baltischen Staaten und Polen hätten wir gerne noch wesentlich ausführlicher erkundet.

Und in Lappland waren wir dieses Mal schließlich überhaupt nicht.

Es gibt also noch genug zu entdecken.

Wir werden zurückkommen.

Irgendwann. Oder schon bald.

Scroll to Top