Tag 3: Mora bis Strömsund

Heute geht es von Mora bis Strömsund – ein Tag, der auf der Karte nach viel Strecke aussieht und in der Realität vermutlich genau das auch sein wird.

Wir starten am Siljansfors Skogsmuseum, an dem ich die Nacht verbracht habe. Ein erstaunlich ruhiger Ort, der morgens noch ein wenig verschlafen wirkt – so, als würde er selbst erst langsam in den Tag kommen.

Der Plan ist klar: Kilometer machen.
Und gleichzeitig diese typischen kleinen Dinge mitnehmen, die unterwegs passieren und aus einer langen Fahrt mehr machen als nur eine Verbindung zwischen zwei Punkten.

Also viel Strecke –
und hoffentlich trotzdem genug kleine Erlebnisse, damit es nicht einfach nur ein sehr langer Strich auf der Landkarte wird.

Siljansfors skogsmuseum

Nach einer erstaunlich guten Nacht (wir befinden uns ja in Sichtweite der E45) kann der Tag kommen.

Laufen gehen wäre theoretisch eine Option – praktisch allerdings nur mit Schneeschuhen. Die Wanderwege hier sind aktuell eher als Winterlandschaft zum Anschauen geeignet als für sportliche Ambitionen. Und irgendwie hat mich ohnehin eine leichte Erkältung erwischt.

Also sitze ich erst einmal mit meinem Kaffee im Van und scrolle ein wenig durch Instagram – eine Tätigkeit, die sich hervorragend mit warmen Getränken und kalten Außentemperaturen kombinieren lässt.

Plötzlich höre ich draußen Fahrzeuge, die langsam vorbeifahren.

Ein Blick aus dem Fenster bestätigt den Verdacht:
Drei Fahrzeuge rollen auf den Parkplatz neben dem Museum – direkt an der Straße.

Land Rover.

Zwei Defender und ein Freelander.

Das kann kein Zufall sein.

Die gehören ziemlich sicher zu der Gruppe von über 50 Fahrzeugen rund um „The Orange Defender“.

Also schnell in die Crocs geschlüpft – die offiziell schlechteste, praktisch aber schnellste Winterausrüstung – und raus zu den Fahrzeugen.

Britische Kennzeichen. Treffer.

Wir kommen schnell ins Gespräch. Die drei sind ein Stück vorausgefahren, der Rest der Gruppe befindet sich noch etwas weiter südlich. Und ja – die Fahrzeuge, die ich gestern gesehen hatte (und einige, die ich gar nicht bemerkt habe), gehörten ebenfalls dazu.

Dann kommt die weniger erfreuliche Nachricht:

Zwei der Fahrzeuge waren gestern in einen Unfall verwickelt.

Die gute Nachricht zuerst: Niemand wurde verletzt.

Beim Abbiegen zur Übernachtungslocation musste auf der glatten Straße gebremst werden.
Das hat… nicht bei allen gleich gut funktioniert.

Ein Discovery ist einem Defender hinten aufgefahren.
Der Defender ist so stark beschädigt, dass er nicht mehr fahrbereit ist und nun irgendwie zurück nach England organisiert werden muss.

Der Discovery hingegen zeigt sich robuster: Mit ein paar Reparaturen „im Feld“ kann er die Reise nach Norden fortsetzen.

Während ich das höre, wird mir klar:
Gestern hätte ich technisch vermutlich nicht viel beitragen können.

Aber ein warmes Getränk – ich habe sogar Glühwein an Bord – wäre ganz sicher nicht abgelehnt worden.

Manchmal sind es eben nicht die Werkzeuge, die zählen, sondern die Thermoskanne zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Koppångens naturreservat (Orsa)

Nächster Stopp: ein kleines Naturreservat, das mir bisher irgendwie komplett entgangen ist – obwohl ich hier schon mehrmals vorbeigefahren bin.

Im Schnee wirkt es jetzt allerdings wie aus einem anderen Kapitel: ruhig, weit und einfach ziemlich beeindruckend.

Eigentlich wäre das der perfekte Ort für eine kleine Schneeschuhwanderung.
Theoretisch.

Praktisch hat sich mein Körper entschieden, heute eher im Modus „Erkältung mit leichtem Protest“ zu arbeiten. Also bleibt es bei ein paar vorsichtigen Schritten durch den Schnee – genug, um sich umzusehen, aber nicht genug, um heldenhafte Outdoor-Ambitionen vorzutäuschen.

Ein kurzer Drohnenflug hilft dabei, sich trotzdem einen guten Eindruck zu verschaffen. Von oben wird noch einmal deutlich, wie schön diese Gegend eigentlich ist – und wie viel man hier noch entdecken könnte.

Eines ist damit klar:
Hier muss ich noch einmal her.

Dann vielleicht mit mehr Energie, weniger Erkältung –
und idealerweise nicht nur mit Schneeschuhen, sondern auch mit Langlaufski.

Manchmal reicht eben ein kurzer Zwischenstopp, um einen Ort auf die persönliche „Hier komme ich definitiv nochmal zurück“-Liste zu setzen.

Alvros

Zeit für ein Mittagessen.

Die Bestandsaufnahme im Van ergibt:
Im Oberschrank warten noch Eier, im Kühlschrank liegt Käse, und der Rest Vollkorntoast hat ebenfalls noch nicht aufgegeben und möchte dringend seiner Bestimmung zugeführt werden.

Dazu kommt noch ein wenig Hamburgersauce – aus Gründen, die sich irgendwo zwischen Geschmack und pragmatischer Resteverwertung bewegen.

Und schon entsteht ein Gericht, das man mit etwas gutem Willen als
„fast gesund und proteinreich“ bezeichnen kann.

Roadtrip-Küche eben:
Man arbeitet mit dem, was da ist – und ist am Ende erstaunlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Häggenås

Bevor meine Heizung beschließt, in den Streik zu treten, weil ihr der Lebenssaft ausgeht, wird dieser vorsorglich wieder aufgefüllt.

Kai fährt mit Bären durch die Gegend –
ich tanke heute bei welchen.

Ihn würde es vermutlich freuen, wenn er es wüsste.
Meine Heizung freut sich auf jeden Fall.

Nur mein innerer Friedrich steht daneben, schaut auf die Rechnung und nickt langsam… aber eindeutig missbilligend.

Prioritäten im arktischen Alltag sind eben klar verteilt:
Wärme zuerst, finanzielle Vernunft später.

Strömsund – nördlich davon

Es ist kalt. –18 °C.
Der Himmel ist klar, wolkenlos – eigentlich perfekte Bedingungen.

Nur leider sind sich meine Polarlicht-Apps einig:
Heute wird das wohl nichts, zumindest nicht südlich des Polarkreises.

Damit ist die Entscheidung gefallen:
Zeit für ein gutes Abendessen.

Mein heutiger Stellplatz – oder das, was ich dafür halte – liegt kurz hinter Strömsund. Ob es sich dabei um eine Parkbucht oder eine nicht geräumte Zufahrt handelt, lässt sich bei der aktuellen Schneelage nicht ganz eindeutig feststellen.

Selbst meine ambitionierte Fahrzeugbeleuchtung, die die Umgebung gefühlt taghell ausleuchtet, bringt hier keine endgültige Klarheit.

In Strömsund selbst hatte ich noch zwei Norddeutsche mit ihrem Wohnmobil an der Brücke getroffen. Sie standen dort auf einem Rastplatz und hatten sich entschieden, für diese eine Nacht nicht weiter zu einem offenen Campingplatz zu fahren.

Offiziell ist das Übernachten dort nicht erlaubt.
Inoffiziell kann man aber davon ausgehen, dass es im Winter niemanden wirklich stört – denn ein oder zwei Wohnmobile schaffen es bei weitem nicht, den kompletten Platz zu blockieren.

Ich vermute, dass es im Sommer irgendwann einmal etwas… lebhafter zuging.
Vielleicht eine Art inoffizieller Wettbewerb um die beste Aussicht auf Brücke und Ort. Anders lässt sich so ein Verbot nur schwer erklären.

Die beiden blieben jedenfalls dort.
Ich hingegen fuhr noch ein paar Kilometer weiter.

Der ursprünglich auf P4N eingezeichnete Platz in meiner Nebenstraße ist erwartungsgemäß nicht erreichbar – ohne Schneefräse zumindest.

Aber das war auch nicht wirklich anders zu erwarten.

Mein jetziger Parkplatz ist zwar eher… improvisiert.
Aber er hat einen entscheidenden Vorteil:

Wenn sich der Himmel doch noch grün färben sollte, hätte ich hier eine ziemlich gute Sicht.

Und manchmal reicht genau das schon aus.

Abendessen

Zum Essen gibt es heute einen Hamburger
mit veganen Patties.

Der Rest der Zutaten bewegt sich irgendwo im vegetarischen Spektrum:
echter Käse und… natürlich wieder Hamburgersauce.

Man könnte also sagen, es ist ein kulinarisch flexibel interpretierter Burger.

Oder anders formuliert:
Ein Gericht, das sich nicht eindeutig festlegen möchte – aber trotzdem ziemlich gut schmeckt.

Roadtrip-Küche bleibt eben ein kreativer Prozess.

1 thought on “Tag 3: Mora bis Strömsund”

  1. Pingback: Tag 4: Strömsund bis Rana - Vandom_de

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