Reload 2026
Das Reload 2026 ist eines dieser etwas kleineren, etwas familiäreren Festivals aus dem Metal-Bereich. Wobei „klein“ natürlich relativ ist: Mit 20.000 Besuchern ist es groß genug, um Headliner aufzufahren, die genauso gut in Wacken oder beim Summer Breeze auf der Bühne stehen (könnten). Gleichzeitig sind die Dimensionen noch überschaubar. Die Wege zwischen Campgrounds und Infield erscheinen vergleichsweise kurz, und mit zwei großen Bühnen könnte man theoretisch sogar jeden einzelnen Act von Anfang bis Ende sehen. Denn die beiden Bühnen werden abwechselnd bespielt.
Theoretisch. Wir werden sehen, wie lange dieser ambitionierte Plan der Realität aus Bier, Essen, Leuten, die man trifft, und der gelegentlichen Notwendigkeit, einfach mal irgendwo herumzusitzen, standhält.
Schon letztes Jahr war ziemlich schnell klar: W:O 2026 würde bei uns terminlich nicht funktionieren. Also musste eine Alternative her. Nicht ganz so weit im Norden, aber immerhin noch nördlich genug: das Reload in Sulingen.
Und tatsächlich hat sich praktisch die komplette Wacken-Crew mit Tickets eingedeckt. Nur einer fehlt. Der hat dieses Jahr eine etwas andere Form von Festival-Nachwuchsprogramm und muss sich um seinen frisch eingetroffenen Nachwuchs kümmern.
Damit ist die Ausgangslage klar: Fast dieselbe Crew, anderes Festival, deutlich kürzere Wege. Was soll da schon schiefgehen?
Die Anfahrt
Es ist Dienstag, fast schon Abend. Die letzten Dinge auf meiner TODO-Liste im normalen Job für heute sind erfolgreich abgearbeitet. Ein paar Sachen müssen noch in den Van, dann kann es losgehen.
Wir fahren zum Reload Festival nach Sulingen. Ok, „wir“ sind dieses Mal nur Lumi, der kleine Huski, der vorne in der Ablage sitzt, und ich. Der Campingplatz ist heute ohnehin noch nicht geöffnet. Mit der Wacken-Crew – müssen wir sie jetzt eigentlich Reload-Crew nennen? – werde ich mich erst am Mittwoch gegen Mittag in Uchte treffen. Von dort wollen wir dann gemeinsam zum Campground fahren.
Daher geht es heute nur bis kurz vor Uchte. Und nach einer Skandinavien-Baltikum-Tour liegt doch nichts näher, als an einem Badesee zu übernachten.
Durch die Rush-Hour zum Reload 2026
Es ist später Nachmittag, mitten in den Ferien. Die Rush-Hour rund um Köln sollte also eigentlich harmlos ausfallen. Beim Start sieht es auch noch danach aus.
Kaum bin ich auf Höhe von Troisdorf, teilt mir Google Maps mit, dass die A3 Richtung Leverkusen irgendwo bei Heumar komplett gesperrt ist.
Also fahre ich auf Höhe des Flughafens ab und durch den Osten von Köln, bis ich in Merheim auf die A4 und schließlich nördlich von Heumar wieder auf die dort erstaunlich leere A3 komme.
Der Rest der Reise verläuft unspektakulär. Der kleine Ausflug durch Köln kostet mich allerdings einiges an Zeit, denn auf die Idee mit der Umleitung sind überraschenderweise auch andere gekommen.
Ein typischer Rastplatz in Deutschland
Am Rastplatz Sürenheide an der A2 mache ich kurz eine Biopause. Der Rastplatz wäre eigentlich nicht weiter erwähnenswert, wäre er nicht ein so schönes Beispiel für die desolate Situation vieler deutscher Autobahnrastplätze.
Schon am noch einigermaßen frühen Abend sind sämtliche für LKW zugänglichen Flächen platzsparend und effizient belegt. Die WC-Anlage wiederum ist dem unerwarteten Ansturm offenbar nicht gewachsen und daher außer Betrieb.
Entsprechend sieht es rund um das eigentlich recht modern wirkende Gebäude aus. Kunden haben das Gelände kunstvoll mit Taschentüchern dekoriert.
Vermutlich als Zeichen ihrer Genesungswünsche für die WC-Anlage.

Auf alten Wegen
In Porta Westfalica verlasse ich die A2 und fahre in Richtung Minden. Das hier war früher mein Weg zu meiner Kaserne, als ich vor ganz vielen Jahren noch bei der Bundeswehr war.
Sehr, sehr lange bin ich hier nicht mehr entlanggefahren. Und trotzdem kommt mir erstaunlich vieles noch vertraut vor. Straßen, Kreuzungen, Orte – irgendwo tief im Hinterkopf scheint die Strecke noch abgespeichert zu sein.
Am Badesee
Bei Lahde verlasse ich schließlich auch die bekannten Pfade und fahre weiter in Richtung Uchte.
Am Glissener Badesee kann man problemlos eine Nacht verbringen. Den Parkplatz direkt am Strand erreiche ich ziemlich genau zum Sonnenuntergang. Ein paar Leute sind trotzdem noch im Wasser oder sitzen am Strand.
Sollte morgen früh hier nicht allzu viel Betrieb sein, kann ich noch ein paar Stunden mobil arbeiten, ohne jemanden zu stören. Und ein Sprung ins Wasser vor dem Festival wäre sicher ebenfalls nicht schlecht.
Und ein Sprung ins Wasser vor dem Festival wäre sicher ebenfalls nicht schlecht. Man muss die Gelegenheiten schließlich nutzen, solange sie sich noch bieten.


Uchte
Es ist Mittwoch. Ich bin schon früh wach und sitze direkt am Rechner. Ein bisschen Arbeit will noch erledigt werden, bevor ich mich auf den Weg nach Uchte mache, um dort den Rest des Teams zu treffen.
Die Zeit verfliegt und plötzlich ist es schon fast Mittag. Kurz gönne ich mir noch ein kleines Bad im See, bevor ich die letzten E-Mails beantworte, den Rechner zuklappe und aufbreche.
Inzwischen habe ich auch ein Statusupdate von Niels und Rolfi bekommen: Sie werden sich etwas verspäten. Gut für mich. So habe ich ein bisschen mehr Zeit und muss mich nicht einmal beeilen.
In Uchte kaufe ich bei Lidl und Edeka noch die letzten Sachen für die kommenden Tage ein. Etwas Schnelles zum Mittagessen darf natürlich auch nicht fehlen.
Schließlich sollte man nicht vollkommen unvorbereitet in mehrere Tage Festival starten. Zumindest beim Essen.

Und bald tauchen auch die anderen auf. Zuerst Fabi und Nadine, etwas später dann Niels und Rolfi.
Zwischendurch habe ich noch ein paar Leute aus Düren kennengelernt, die offenbar dieselbe Idee hatten und sich ebenfalls hier zur gemeinsamen Weiterfahrt nach Sulingen treffen. Uchte scheint an diesem Mittwoch so etwas wie ein inoffizieller Reload-Sammelpunkt zu sein.
Nur Jens-Uwe fehlt. Er wünscht uns noch viel Spaß, schafft es kurzfristig aber leider doch nicht zum Festival.
Wir werden ihn vermissen. Damit ist die Wacken-Crew – oder Reload-Crew, diese Frage ist immer noch nicht abschließend geklärt – für dieses Jahr nicht ganz vollständig.
Sulingen – Reload 2026
Wir sind da! Nach einer Fahrt im Konvoi, der auf den letzten Kilometern längst nicht mehr nur aus unserer Crew besteht, werden wir von Einweiser zu Einweiser weitergewunken.
Zum ersten Mal stehen wir am Ortseingang von Lindern im Stau. Wobei Stau vielleicht etwas übertrieben ist. Es ist eher Stop&Go und eigentlich geht es immer wieder ein Stück voran.
Mit Blick auf C4 und C3 passieren wir die ausgesprochen gut gelaunten Kassierer für die Frühanreise. Wenig später werden wir tatsächlich auf unseren Platz auf C4 eingewiesen. Von Lindern bis hierher haben wir jetzt knapp eine Stunde gebraucht. Aus unserer Sicht absolut akzeptabel. Und auch unsere neuen Nachbarn sehen das so.
Keine weitere halbe Stunde später steht unser Camp. Stühle raus, ein paar Sachen sortiert – und ich kann mein erstes kaltes Bier genießen.
Damit wäre die Anreise zum Reload 2026 erfolgreich abgeschlossen.
Bis hierhin hatte ich auch immer wieder ein bisschen mitgefilmt. In den nächsten Tagen wird daraus allerdings nicht mehr viel werden. Um eine Akkreditierung hatte ich mich leider etwas zu spät gekümmert. Ohne Akkreditierung gelten für mich damit die normalen Foto- und Videoregeln für Besucher.
Man kann eben nicht alles perfekt vorbereiten.
Immerhin ist das Bier kalt.






Tickets gegen Bändchen
Auf geht’s zum Festivalgelände. Wahrscheinlich ist es sinnvoll, die Bändchen direkt zu holen, statt später irgendwann in einer langen Schlange zu stehen.
Und tatsächlich haben wir Glück. Nach nur wenigen Minuten bekommen wir unsere Bändchen – „aus dem Container mit den vielen Fenstern“ neben dem Zelt. Als Reload-First-Timer muss man diesen Container allerdings erst einmal finden. Wir haben ihn jedenfalls nicht auf Anhieb entdeckt. Aber wer freundlich fragt, bekommt meistens auch eine brauchbare Antwort.

Ein erstes Bier im Zelt? Warum nicht. Schließlich wird hier gleich auch die erste Band des Festivals spielen.
Kaum haben wir das Bier in der Hand, gibt es auch schon Musik zur Einstimmung. Allerdings beschleicht uns kurz das Gefühl, möglicherweise auf dem falschen Festival gelandet zu sein.
Schlager.
Und erstaunlich viele Leute tanzen dazu.
Vielleicht gehört das hier so.
Aber dann wird doch noch live gespielt und Heartless Human Harvest geben ihr Bestes. Damit sind wir musikalisch schlagartig wieder deutlich näher an dem Festival, für das wir Tickets gekauft haben.
Sogar hier im Zelt bildet sich der erste kleine Moshpit und die Band schafft es, die erste Wall of Death des Festivals zu inszenieren.
Gut, die ist vielleicht noch eher für Anfänger.
Aber es ist ja auch erst Mittwoch.
Sonnenuntergang

Danach ist erst einmal Grillen angesagt und wir genießen den Abend in unserem Camp.
Die Sonne geht langsam unter und der leichte Staubschleier in der Luft sorgt für eine fast schon idyllische Stimmung.
Fast.
Denn gleichzeitig lässt er uns erahnen, was in den nächsten Tagen noch auf uns zukommen könnte.
Aber heute sieht der Staub im Sonnenuntergang erst einmal ziemlich schön aus. Und solange er nur in der Luft und noch nicht in wirklich jeder Ritze ist, kann man das ja auch genießen.
