Das Arktisfieber hat mich mal wieder komplett erwischt – offenbar gibt es dagegen weder Impfung noch vernünftige Selbstkontrolle. Kaum ist der Dezember halbwegs überstanden, beginnt mein innerer Kompass wieder hartnäckig Richtung Norden zu zeigen. Es ist nun Ende Januar, und mein Gehirn ist bereits am Polarkreis, während der Rest von mir noch versucht, den hiesigen Winter zu finden.
Bevor es jedoch losgehen kann, muss zunächst die zivilisierte Welt der To-do-Listen bezwungen werden. Alle Dinge, die meinen Job betreffen, sollen erledigt, organisiert oder möglichst elegant delegiert werden. Schließlich wäre es äußerst unpraktisch, im warmen Van über Anträge und E-Mails zu brüten, während draußen gerade das Polarlicht beschließt, ein kosmisches Großfeuerwerk zu veranstalten.

Und seien wir ehrlich: Wenn der Himmel grün leuchtet, hat meine virtuelle Welt einfach verloren.
Die Motorvorwärmung
Mein Van selbst ist inzwischen ziemlich arktiserprobt. Über die Jahre hat er eine ganze Reihe von Modifikationen bekommen, die das Leben bei Temperaturen vereinfachen sollen, bei denen Schneefüchse vermutlich schon nach einem Schal fragen würden.
Dazu gehört auch eine Motorvorwärmung in Form einer Autoterm Flow 5D. Diese kleine technische Wohltat wärmt das Kühlwasser vor und lässt es durch den Motor zirkulieren, sodass dieser morgens nicht aus dem Tiefkühlschlaf gerissen wird. Das hat seit dem Einbau auch wunderbar funktioniert – bis die Heizung vor ein paar Monaten beschlossen hat, mir regelmäßig eine Fehlermeldung über einen Lüfter zu schicken. Offenbar wollte sie mir damit mitteilen, dass sie ebenfalls eine Form von Aufmerksamkeit benötigt.
Also habe ich schließlich ein Ersatzteil aus Lettland bestellt – was bei arktischen Projekten irgendwie thematisch ganz gut passt – und wollte die Sache schnell noch einbauen.
Nun ja. Wie das immer so ist, wenn die Zeit ohnehin schon knapp ist: Eine Schraube an der Heizung weigert sich standhaft, sich lösen zu lassen. Festgerostet. Und selbstverständlich ist es keine gewöhnliche Schraube, die man im nächsten Baumarkt aus der Grabbelkiste ziehen kann, sondern ein recht exotisches Exemplar.
Die aktuelle Bastelidee lautet daher: aufbohren, später mit einem Teil einer anderen Schraube wieder zusammenschweißen und so tun, als wäre das schon immer so geplant gewesen.

Nur leider fehlt mir dafür im Moment die Zeit. Also wird dieses Projekt elegant in den Frühling verschoben.
Für den Van bedeutet das allerdings: Wenn es draußen –35 °C hat, wird der Motor künftig ohne Vorwärmung geweckt.
Ich bin sicher, er wird begeistert sein.
Die Heckbox
Schon lange schwebte mir eine leichte Heckbox für Feuerholz und allerlei Utensilien rund um die Wasserversorgung vor. Denn irgendwo müssen schließlich all die Dinge hin, die man im (nicht-)arktischen Alltag dringend braucht – oder zumindest glaubt dringend zu brauchen.
Ende letzten Jahres habe ich mich dann endlich dazu entschlossen, die Halterung dafür mit Zurrschienen und Aluprofilen zu bauen. Das ist stabil, modular und vermittelt außerdem das angenehme Gefühl, jederzeit noch etwas daran herumschrauben zu können – was erfahrungsgemäß auch passieren wird.
Das Ersatzrad wird nach aktueller Planung übrigens später im Jahr eine eigene, geschweißte Halterung bekommen. Im Moment lebt es noch in einer Art Übergangslösung, die höflich gesagt „provisorisch“ ist und weniger höflich gesagt „funktioniert halt irgendwie“, denn es bleibt zuhause.
Als eigentliche Box verwende ich nun eine alte wasserdichte Transportkiste, die früher einmal meine Fotoausrüstung bei On-Location-Portraitshootings beherbergt hat.
Der Vorteil: Ich muss weder eine neue Box bauen noch eine kaufen. Und außerdem hat die Kiste bereits Erfahrung damit, bei Wind, Wetter und leicht chaotischen Bedingungen unterwegs zu sein.
Sie wird sich also vermutlich recht schnell an ihr neues Leben als Feuerholz- und Wasserlogistikzentrum am Heck des Vans gewöhnen.

Die zweite Heizung
Bisher kam der Van mit einer 2-kW-Luftstandheizung ganz gut zurecht. Allerdings wird es bei Temperaturen von –20 °C und darunter im Innenraum zunehmend weniger „kuschelig“ und eher… sagen wir: funktional temperiert.
Bislang war das nie wirklich ein Problem. Temperaturen unter –25 °C waren eher selten – und wenn, dann meist nachts, während man ohnehin unter mehreren Lagen Deckenmaterial verschwand.
Für die nächsten Wochen sieht die Lage allerdings leicht ambitionierter aus: In großen Teilen von Norrbotten und Finnisch-Lappland werden Tageshöchsttemperaturen um –30 °C erwartet. Also Temperaturen, bei denen selbst der Begriff „Tageshöchstwert“ eine gewisse Ironie bekommt.
Genau darauf wollte ich vorbereitet sein.
Zum Glück hatte ein Freund noch eine ungenutzte 2-kW-Heizung herumliegen. Offenbar wartet irgendwo immer genau das Teil, das man für ein leicht überdimensioniertes Winterprojekt braucht. Diese habe ich kurzerhand als zweite Heizung eingebaut.
Damit lässt sich der Van nun auch dann problemlos warm halten, wenn das Thermometer beschließt, dauerhaft unter –30 °C zu bleiben und die Außenwelt langsam den Charakter einer industriellen Gefriertruhe annimmt.
Der Einbau selbst ist allerdings eher… provisorischer Natur. Das Wetter zuhause hat meine ursprünglichen, deutlich eleganteren Installationspläne zuverlässig sabotiert.

Aber wie bei vielen technischen Lösungen gilt auch hier:
Hauptsache, sie funktioniert. Schön kann sie später immer noch werden.
