Tag 8: Bodø bis Lødingen

Heute geht es von Bodø bis Lødingen. Die FV17 habe ich hinter mir gelassen. Senja ist nun mein neues Ziel. Das Wetter soll perfekt werden. Was soll passieren.

Ein neuer Morgen

Ein neuer Morgen nach einer ruhigen Nacht.

Irgendwo muss es wohl etwas windig gewesen sein.
Meine Wetter-App hatte jedenfalls eine Windwarnung für meinen Standort ausgespuckt.

Entweder habe ich davon absolut nichts mitbekommen –
oder mein Stellplatz, ein kleiner Wanderparkplatz, ist einfach perfekt geschützt.

Jetzt jedenfalls: absolute Windstille.

Und damit die seltene Gelegenheit, bei fast schon angenehmen –4 °C ohne Jacke – und nur mit Crocs an den Füßen – ein paar Fotos zu machen.

Arktischer Komfort hat eben seine ganz eigenen Maßstäbe.

Und während ich so draußen stehe, wird klar:
Manchmal sind es genau diese ruhigen, unspektakulären Morgen,
die eine Reise besonders machen.

Blick auf Inseln und Berge

Zunächst geht es zurück in Richtung Bodø.

Die Idee von gestern, hier noch ein oder zwei Tage zu bleiben und die Gegend weiter zu erkunden, habe ich mit Blick auf die Wetterprognose verworfen.
Die Chance, Senja bei gutem Wetter zu erwischen, ist einfach zu verlockend.

Also: Kurs ändern und weiter.

Auf dem Weg hinunter nach Bodø komme ich an einer kleinen Bucht vorbei.
Eine Bushaltestelle am Straßenrand bietet genau die richtige Gelegenheit für einen spontanen Stopp.

Also anhalten. Kamera raus.

Diese Lichtstimmungen – weich, kühl, fast schon gemalt – sind genau das, was diese Gegend so besonders macht.

Und genau die Momente, wegen derer man eben doch immer wieder
einfach kurz stehen bleibt.

Sorfold

Eine Stunde später hat mich der arktische Winter wieder fest im Griff.

Die Temperaturunterschiede hier sind beeindruckend.
Eben noch am Meer bei fast schon angenehmen –3 °C, dann ein Tunnel, ein kleiner Pass – und plötzlich zeigt das Thermometer –18 °C.

Ein Unterschied, den man nicht nur sieht, sondern auch sofort spürt.

Mit den tieferen Temperaturen verändert sich auch die Landschaft.
Überall entstehen diese feinen Eiskristalle, die sich auf Bäumen, Sträuchern und am Boden absetzen.

Alles wirkt schärfer, klarer – fast so, als hätte jemand die gesamte Umgebung mit einer zusätzlichen Schicht Detail versehen.

Der Winter zeigt hier sehr deutlich,
was er kann.

Straße gesperrt …

Gerade eben hatte ich noch eine riesige Elchkuh gesehen.
Beeindruckend – und leider auch nur sehr kurz.

Verkehrsbedingt konnte ich nicht anhalten.
Und ein Elch wartet bekanntlich nicht darauf, dass man kurz wendet, zurückfährt und dann in Ruhe ein Foto macht.

Ein paar Kurven später folgt die nächste Überraschung:

Straße gesperrt.

Warum?
Keine Ahnung.

Also stehen wir im Stau – bei –16 °C – und warten darauf, dass sich irgendwann wieder etwas bewegt.

Nach knapp einer halben Stunde geht es dann tatsächlich weiter.

Was genau das Problem war, bleibt allerdings ein Rätsel.

Immerhin:
Die Zeit ließ sich nutzen.

Ein paar Fotos aus dem Van heraus sind trotzdem entstanden –
wenn auch ohne Elch.

Bognes

In Bognes steht man vor einer kleinen, aber durchaus richtungsweisenden Entscheidung:

Entweder die Fähre nach Skarberget nehmen und der vertrauten E6 folgen –
oder die Fähre nach Lødingen, hinaus auf eine Inselwelt, bei der ich mir nicht einmal ganz sicher bin, ob sie schon zu den Lofoten oder noch zu den Vesterålen gehört.

Die rationale Entscheidung wäre vermutlich die erste.

Für mich fällt die Wahl allerdings ziemlich leicht.

Lødingen wird das Ziel.

Manchmal muss man einfach die Route wählen,
die ein bisschen mehr nach Abenteuer klingt.

Lødingen

Ursprünglich hatte ich geplant, noch deutlich weiter nach Norden zu fahren.

Da die Bewölkung heute allerdings jede Chance auf Polarlichter zunichtemacht, entscheide ich mich, in Lødingen zu bleiben.

Der Ort bietet einen kleinen Stellplatz im Yachthafen – inklusive Dusche und allem, was man für einen entspannten Zwischenstopp braucht.

Perfekt also, um eine Runde laufen zu gehen, danach frisch geduscht im Van zu kochen und nebenbei schon einmal mögliche Fotospots für Senja herauszusuchen.

Ein Detail ist mir auf den Fahrten der letzten Tage noch aufgefallen:
Mein neuer Transponder macht keinen Ton an den Mautstellen und ich bin nicht sicher ob er erkannt wird.

Allerdings wird er sehr wohl registriert, wie ich dann feststelle – das lässt sich problemlos online nachvollziehen.

Also kein echtes Problem, eher ein…
stiller Begleiter.

Zumal das Kennzeichen ohnehin für Maut und Fähren hinterlegt ist.

Manchmal funktioniert Technik eben auch dann,
wenn sie sich nicht mehr bemerkbar macht.

Kommt dir das bekannt vor?
Ja – mir auch.

Das Gericht von neulich war einfach zu gut, um es nicht noch einmal zu machen.
Die Tortellini hatte ich vorsorglich schon gestern besorgt.

Eigentlich stand heute allerdings etwas anderes auf dem Plan:
Spaghetti mit selbstgemachter Sauce.

Die Zutaten dafür sind auch alle da.
Zwiebeln, Gewürze, alles vorbereitet.

Nur die Spaghetti…
sind nicht auffindbar.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie irgendwo verstaut habe.
Nur leider nicht mehr ganz sicher, wo genau.

Also wird aus dem geplanten Pastagericht kurzerhand wieder die bewährte Variante.

Und während ich so vor meinem Vorratsschrank stehe, wird mir klar:

Ich fühle mich gerade ein bisschen wie Kai.

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