Orbis Balticus – Tag 5

Letzte Nacht hat es geregnet. Und da ist so einiges runtergekommen.

Viel davon haben wir allerdings nicht mitbekommen, denn wieder einmal haben wir eine wunderbar ruhige Nacht verbracht.

Jetzt im Sommer wird man hier noch nicht einmal von irgendwelchen zwitschernden Vögeln geweckt. Wäre auch etwas ungünstig. Sonnenaufgang ist schließlich schon gegen 3:30 Uhr.

Wir frühstücken gemütlich und genießen die Ruhe und Einsamkeit. Hin und wieder schaut sogar die Sonne durch die Wolken.

Perfekt, um das mobile Solarpanel neben unseren Van zu stellen.

Bei Sonne liefert es immerhin bis zu 100 Watt. Läuft.

Ein wenig später taucht ein Liner auf.

Großer Parkplatz. Viel Platz. Jede Menge freie Stellmöglichkeiten.

Die aus seiner Sicht perfekte Wahl fällt natürlich auf den Platz direkt neben uns.

Nicht ganz so genial für uns.

Wo eben noch bis zu 100 Watt vom Solarpanel kamen, sind es dank seines Schattens jetzt noch ungefähr zehn.

Wtf.

The elephant in the room

Warum eigentlich nach Norden?

Nachdem inzwischen halbwegs klar war, wann wir Stockholm erreichen könnten, haben wir in den letzten Tagen nach passenden Fährverbindungen geschaut.

Von Stockholm nach Mariehamn auf den Åland-Inseln zu kommen, ist überhaupt kein Problem. Wir haben sogar die Wahl.

Danach soll es allerdings weiter nach Turku gehen.

Und da wird es interessant.

Mehrere Fährlinien bedienen die Strecke. Nur hat keine davon in den nächsten zehn Tagen einen Platz für uns und unseren Van.

Zehn Tage Åland wären sicherlich auch irgendwie auszuhalten. Es ist nur deutlich länger, als wir dort verbringen wollen.

Also musste eine Entscheidung her.

Und die ist gefallen.

Wir fahren weiter nach Norden.

Genauer gesagt nach Umeå. Von dort nehmen wir die Fähre über den Bottnischen Meerbusen nach Vaasa in Finnland und setzen unsere Reise von dort aus fort.

Åland fällt damit aus.

Zumindest dieses Mal.

Und wenn wir nun schon einmal Richtung Umeå unterwegs sind, können wir uns auf dem Weg auch noch einen Nationalpark ansehen, den ich bereits im Winter besucht habe.

Damals sah es dort allerdings etwas anders aus.

Spaß im Wald

Es hatte in der Nacht ja geregnet, sogar so einiges. Pfützen stehen nun auf unserem Weg in Richtung E4.

In Schweden nach Regen

(Youtube Video bei Klick)

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Wieder Mal Einkaufen

Noch ist der Einkaufswagen leer. Bald ist er wieder voll.

Denn ein paar Sachen wollen wir kaufen. Andere sollten wir kaufen.

Dazu gehören neben Milchprodukten und Brot auch ein paar ganz besondere Dinge für den Schweizer Teil unserer Familie.

Und dann benötigen wir noch etwas aus einem Baumarkt. Oder von einem Autoteilehändler, der irgendwie auch ein Baumarkt ist.

Nein, nicht Biltema.

Heute lernen wir die finnische Konkurrenz kennen: Motonet.

Dort gibt es einen Adapter mit Gardena-Anschluss für Wasserhähne, die kein Gewinde haben. So einen besitzen wir eigentlich.

Also: besaßen wir.

Unseren haben wir offenbar beim letzten Wasserfassen an der Circle K am Wasserhahn vergessen, wie wir inzwischen feststellen mussten.

Kann passieren.

Immerhin wissen wir, dass er nicht mehr da ist.

Also führt uns diese Reise nun doch in einen dieser Läden.

Nur eben nicht zu Biltema.

Und Motonet werden wir auf dieser Reise auch nicht zum letzten Mal sehen.

Wenn der Weg zur Toilette mal länger dauert…

… oder Skuleskogen Nationalpark

Eigentlich wollen wir nur zur Toilette am Parkplatz im Skuleskogen Nationalpark. Denn wenn man die eigene Toilette schonen kann, ist das grundsätzlich eine gute Sache. Vor allem dann, wenn wir den Flüssigteil vorher nicht mehr entsorgen konnten.

Da ich im Winter schon einmal hier war, kenne ich mich aus.

Wir nehmen eine Abkürzung.

Die ist dann etwas länger.

Und führt auch nicht direkt zu der Toilettenanlage am oberen Parkplatz.

So wird aus dem kurzen Gang zur Toilette spontan ein Spaziergang von gut zwei Kilometern durch den Nationalpark.

Kann man machen.

Zurück am Van stellen wir fest, dass während unserer Abwesenheit wahrscheinlich Kai’s Friedrich vorbeigeschaut hat.

Die Küchenrolle ist jedenfalls etwas großzügiger abgerollt als vorher.

Skulleskogen Nationalpark

Auf dem Parkplatz, auf dem wir gerade stehen, dürfen wir auch über Nacht bleiben.

Nach einer kurzen Erholung von unserer ausgedehnten Toilettenrunde machen wir uns deshalb noch einmal auf. Dieses Mal, um den Nationalpark richtig zu entdecken.

Vom Südeingang führt uns unsere Runde durch den Wald und über felsige Bergrücken hinauf zur Slåttdalsskrevan, einer tiefen und ziemlich beeindruckenden Felsschlucht mitten im Nationalpark.

Slåttdalsskrevan-Runde

Die Slåttdalsskrevan sieht ein wenig so aus, als hätte jemand den Berg mit einem riesigen Messer durchgeschnitten. Entstanden ist sie allerdings entlang einer natürlichen Schwächezone im Gestein. Verwitterung, Frost und Erosion haben das gelockerte Material über lange Zeit abgetragen und die heute rund 200 Meter lange und bis zu 30 Meter tiefe Felsschlucht freigelegt.

Und das alles befindet sich in einer Landschaft, die sich noch immer verändert: Seit dem Ende der letzten Eiszeit hebt sich die Region aus dem Meer. Rund um die Höga Kusten ist diese postglaziale Landhebung so ausgeprägt wie kaum irgendwo sonst auf der Welt.

Immer wieder eröffnen sich dabei wunderbare Ausblicke über die Wälder bis hinaus auf die Ostsee.

Inzwischen ist es schon nach 18 Uhr. Wir sind also ziemlich spät am Tag unterwegs.

Zu dieser Jahreszeit ist das hier oben allerdings kein großes Problem. Die Sonne geht schließlich erst kurz vor 23 Uhr unter.

Und der späte Start hat noch einen weiteren Vorteil: Wir treffen nur noch wenige Menschen.

Wenn wir sehen, was hier an Infrastruktur und Parkplätzen vorhanden ist, können wir nur erahnen, wie voll es tagsüber gewesen sein muss. Und es ist noch nicht einmal Wochenende.

So haben wir den Nationalpark jetzt fast für uns.

Wieder zurück am Van

Als wir schließlich wieder am Van ankommen, liegen acht Kilometer und mehr als drei Stunden hinter uns. Und die hatten es durchaus in sich. Wir sind über Steine und Felsen geklettert, haben einige Höhenmeter gesammelt und dabei ziemlich viel von diesem wirklich beeindruckenden Nationalpark gesehen.

Jetzt reicht es aber auch.

Das kalte Bier haben wir uns verdient.

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