Voyri
Gut geschlafen haben wir. Wenn auch etwas kurz.
Also genießen wir erst einmal den Morgen an unserem alten Fähranleger. Auf der Straße nebenan ist deutlich weniger Verkehr, als wir erwartet hatten.
Dafür sind schon einige Angler unterwegs.
Niemand interessiert sich für uns. Auch nicht für den anderen Camper, der hier ebenfalls übernachtet hat.
Den haben wir vermutlich vor ein paar Stunden bei unserer nächtlichen Ankunft um ein wenig Schlaf gebracht.
Sorry dafür.


Ein wenig Geschichte
Finnland hat eine ziemlich besondere Geschichte im Zweiten Weltkrieg. Im Winterkrieg von 1939/40 verteidigte sich das militärisch deutlich unterlegene Land gegen die Sowjetunion. Später folgte von 1941 bis 1944 der sogenannte Fortsetzungskrieg, diesmal an der Seite Deutschlands.
Finnland musste am Ende erhebliche Gebiete abtreten. Seine erst 1917 erlangte Unabhängigkeit konnte das Land jedoch bewahren.
Die eigentlichen Fronten lagen weit von hier entfernt, vor allem im Osten und in Karelien.
Warum also ausgerechnet hier bei Menkijärvi ein kleines privates Museum verschiedene Stellungen nachbildet und militärische Ausrüstung aus dieser Zeit zeigt, bleibt uns ein wenig unklar.
Zu sehen sind unter anderem sowjetische Waffen und Ausrüstungsgegenstände. Zumindest ein Teil solcher erbeuteten Waffen wurde während der Kriege von den Finnen selbst weiterverwendet.
Interessant anzusehen ist das alles durchaus.
Ein paar mehr Erklärungen und etwas mehr historischer Kontext wären allerdings nett gewesen.
Baden könnte man nebenan ebenfalls.
Wir fahren trotzdem weiter.





Perho
Wir wollen einen Platz für die Nacht finden.
Vielleicht auch gleich für zwei Nächte.
Also suchen wir mit Park4Night, schauen aber auch selbst auf den Satellitenbildern von Google Maps nach Stellen, an denen wir stehen könnten, ohne jemanden zu stören.
Und dann fahren wir.
Und fahren.
Gefühlt stundenlang und viele Kilometer durch riesige Torfabbaugebiete. Meist auf Schotterstraßen, irgendwo abseits der Hauptrouten.
Wir landen an Slipways, die offensichtlich regelmäßig von Fischern genutzt werden. Andere vielversprechende Wege enden vor verschlossenen Schranken. Nicht, weil hier Privatleute ihre Grundstücke absperren, sondern weil Unternehmen die Zufahrten zu den Torfabbaugebieten sichern.
Also weiter.
Letztendlich gelangen wir in die Gemeinde Perho.
Hier gibt es einen Badplats.
Zumindest nennen wir das zu diesem Zeitpunkt noch so.
Zusammen mit zwei Wanderern sind wir die Einzigen auf dem Parkplatz.
Das sieht gut aus.
Und daran ändert sich auch in den nächsten Stunden nichts mehr.
Am Strand begegnen wir allerdings noch jemand anderem.
Plötzlich kommt eine Kreuzotter durch das Wasser geschwommen. Sie erreicht direkt vor uns das Ufer und bleibt dort erst einmal liegen.
Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.
Kreuzottern können tatsächlich schwimmen – und offenbar gar nicht schlecht.
Natürlich ist sie wieder verschwunden, als wir endlich so weit sind, dass wir auch ein Foto hätten machen können.
War ja klar.

