Orbis Balticus – Tag 8

Perho – Ruhetag

Heute passiert nicht viel.

Frühstücken, baden, ein wenig Bewegung, Abendessen. Damit könnte man diesen Tag eigentlich schon fast vollständig zusammenfassen.

Und dann gibt es zwischen Chillen und dem Regen zusehen doch noch ein paar spannende Momente.

Während in Deutschland geschwitzt wird und in Frankreich und Spanien die Wälder brennen, ist es bei uns kühl und nass.

Ich gehe laufen.

Schließlich will ich irgendwann auch wieder einen Marathon schaffen.

Strava kennt hier allerdings kaum Wege, die schon einmal jemand vor mir gelaufen wäre. Und die automatisch generierten Routenvorschläge sind auch nicht besonders attraktiv. Die führen vor allem über die asphaltierten Straßen.

Also mache ich das anders.

Auf den Satellitenbildern habe ich einige Wege durch die Wälder und Moore entdeckt. Grobe Richtung festgelegt und los.

Und so komme ich wieder an einem dieser riesigen Torfabbaugebiete vorbei. Zwischen den Abbauflächen haben sich kleine Tümpel gebildet. Sand und Kies liegen zu großen Haufen aufgeschüttet herum.

Und dann steht da plötzlich ein Tier.

Ungefähr so groß wie ein Reh. Graues Fell mit dunklen, braungrauen Flecken. Ein kleines Geweih.

Und irgendwie sieht es aus wie ein Rentier auf Steroiden.

Wir schauen uns kurz gegenseitig an.

Dann sieht und hört es offenbar genug von mir und entscheidet, dass ein langsamer Rückzug wohl die bessere Option ist. Ohne große Hektik verschwindet es leise im Wald.

Okay.

Was war das denn?

Zurück am Van versuche ich herauszufinden, was ich da gerade gesehen habe.

Und tatsächlich: Es war sehr wahrscheinlich ein Waldrentier.

Das Finnische Waldrentier lebt heute vor allem in einigen Regionen Finnlands sowie jenseits der Grenze in Russland. Es ist größer und langbeiniger als das domestizierte Rentier und an ein Leben in Wald- und Moorlandschaften angepasst.

Das passt.

Und damit entsteht ganz nebenbei ein neues Ziel für die nächsten Tage: Solange wir noch in dieser Region unterwegs sind, wollen wir versuchen, eines vor die Kamera zu bekommen.

Mal sehen, ob die Waldrentiere diesen Plan ebenfalls gut finden.

Groß. Grün. Und besser nicht anfassen.

Noch etwas fällt hier in der Gegend auf: Riesenbärenklau.

Und davon gibt es reichlich.

Einige der Pflanzen, an denen wir vorbeikommen, sind weit über zwei Meter hoch. Beeindruckend sehen sie durchaus aus. Harmlos sind sie allerdings nicht.

Auch in Finnland gelten die invasiven Riesenbärenklau-Arten als Problem und werden aktiv bekämpft. Ihr Pflanzensaft enthält phototoxische Stoffe. Gelangt er auf die Haut, kann Sonnenlicht anschließend schwere, verbrennungsähnliche Hautreaktionen auslösen.

Also anschauen: ja.

Anfassen: eher nicht.

Abends grillen wir.

Zumindest war das der Plan.

Da der Regen aber nicht lange genug Pause macht, gibt es die Würstchen schließlich aus der Pfanne. Improvisiert draußen auf dem Gaskocher zubereitet.

Fast wie Grillen.

Nur anders.

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