Orbis Balticus – Tag 12

Kontiolahti bei Joensuu

Noch einmal kurz baden, bevor es zum Stadtentdecken geht.

Um potenziellen Anglern auf unserer Landzunge nicht im Weg zu stehen, sind wir mit dem Van schon einmal zum eigentlichen Strand vorgefahren.

Angler kommen natürlich keine.

Und so haben wir heute Morgen sowohl die Landzunge als auch den Strand ganz für uns allein.

Fast zumindest.

Eine Walkerin kommt vorbei und ein paar Wiesen weiter oben sonnen sich zwei Locals.

Lange brauchen wir für unser Bad ohnehin nicht.

Das Wasser ist wieder ziemlich kühl.

Also rein. Eine kleine Runde schwimmen. Und wieder raus.

Gut erfrischt kann es jetzt in die Innenstadt von Joensuu gehen.

Joensuu

Heute sind wir in Joensuu unterwegs.

Hier war ich als Kind beziehungsweise Jugendlicher schon zweimal. Besonders viele Erinnerungen an die Stadt selbst habe ich allerdings nicht mehr. Im Gedächtnis geblieben sind eher die Dinge, die während dieser Besuche passiert sind.

Damals sind wir von einem Ort südlich des Sees mit dem Motorboot nach Joensuu gefahren.

Und mein Cousin kaufte auf dem Markt ein traditionelles finnisches Messer.

Natürlich musste das ausprobiert werden.

Nicht geplant war allerdings, dass sein Finger Teil des Versuchs werden sollte.

Nach dem ersten Schreck und etwas verlorener roter Flüssigkeit stellte sich zum Glück alles als harmlos heraus.

Aber immerhin war damit eine Sache geklärt:

Das Messer war scharf.

The number of the beast

Nun bin ich also wieder hier.

Wir parken auf einem Parkplatz, den wir über Park4Night gefunden haben. Für einen Ausflug in die Innenstadt ist er perfekt.

Und eigentlich könnte man ihn auch einfach „Iron Maiden’s Beast“ nennen.

Die EasyPark-Nummer lautet nämlich:

666

The Number of the Beast. 🤘

Ein kleiner Spaziergang führt uns zu den großen Plätzen und durch die Einkaufspassagen, die gefühlt jede etwas größere nordische Stadt besitzt.

Oft sogar in mehrfacher Ausfertigung.

Auf dieser Reise hatten wir das in ziemlich ähnlicher Form ja gerade erst in Kuopio.

Auf dem Marktplatz wird währenddessen ein Europafest aufgebaut.

Wobei das mit Europa offenbar großzügig ausgelegt wird. Es gibt auch Stände mit südamerikanischen und ostasiatischen Themen.

Ich komme mit einem Briten ins Gespräch.

Der sich kurz darauf als Australier aus Melbourne herausstellt.

An seinem Stand gibt es Fudge. An einem weiteren Stand verkauft er argentinische Steaks.

International ist das Ganze also auf jeden Fall.

Leider beginnt der Markt erst am nächsten Tag so richtig. Einige Stände haben aber schon geöffnet und so können wir verschiedene Piirakka und ein Brot kaufen.

Und dann wäre da noch das Eis.

4,50 Euro für eine Kugel.

Aber an diesem ersten wieder richtig warmen Tag muss ein Lakritzeis dann doch sein.

Man muss Prioritäten setzen.

Mit klassischem Sightseeing wird es dagegen nichts.

Das Kunstmuseum wird gerade renoviert und das karelische Museum ist ebenfalls geschlossen.

Dann eben nicht.

Wir beschließen, Joensuu wieder zu verlassen und uns irgendwo weiter östlich einen neuen Uimaranta zu suchen.

Schließlich wollen wir ohnehin weiter Richtung russische Grenze.

Noch ein Uimaranta

Uimapaikka oder Uimaranta

Inzwischen haben wir es endlich verinnerlicht.

Es gibt zwei finnische Wörter, die uns immer wieder dort begegnen, wo wir in Schweden einfach von einem Badplats gesprochen haben:

Uimapaikka und Uimaranta.

Uima hat mit Schwimmen zu tun. Paikka ist ein Ort oder eine Stelle und ranta ein Ufer beziehungsweise Strand.

Ein Uimapaikka ist also ein Ort zum Schwimmen, ein Uimaranta eher ein Badestrand.

So langsam kommen wir an in Finnland.

Eigentlich wollten wir den Nachmittag allerdings ganz woanders verbringen.

Wir waren zuvor noch in einem Nationalpark. Die Idee war, dort zu übernachten und das Ganze mit ein oder zwei Wanderungen zu verbinden.

Das ist erprobt.

Hat bisher funktioniert.

Und auch auf dieser Reise war das beispielsweise an Tag 5 sowie Tag 9 und 10 eine ziemlich gute Idee.

Dieses Mal irgendwie nicht.

Bislang sind uns in Finnland nur wenige Touristen begegnet, die nicht aus Finnland oder Estland kamen. In diesem Nationalpark war das plötzlich ganz anders.

International.

Und vor allem ziemlich voll.

Auch die Campingmöglichkeiten konnten uns nicht wirklich überzeugen. Sie hatten eher den Charme einer Wartezone im Fährhafen.

Also Planänderung.

Mal wieder.

Wir fahren weiter.

Gut 50 Kilometer über kleine Schotterstraßen, teilweise durchaus etwas abenteuerlich.

Und landen schließlich hier.

An einem Uimaranta.

Heute Nachmittag passiert deshalb nicht mehr viel.

Wir sitzen in der Sonne und chillen.

Weiterfahren werden wir heute auch nicht mehr. Dazu ist es hier einfach zu schön. Wir stehen niemandem im Weg, die Sonne scheint, das Buch hat noch genügend ungelesene Seiten und es ist wunderbar still.

Was will man mehr?

Unser Van versucht sich währenddessen als Chamäleon.

Teile davon haben inzwischen ziemlich genau die Farbe der finnischen Schotterstraßen angenommen.

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