Wir sind immer noch im Salamajärvi-Nationalpark.
Und der neue Tag beginnt ungefähr so, wie der vorherige aufgehört hat.
Durchwachsen.
Mit Regen.
Wir werden heute bestimmt noch viel Spaß mit den Pfützen auf den Schotterstraßen haben.
Oder auch nicht. Die Wege sind erstaunlich gut in Schuss. Vielleicht hat sich dort überhaupt kein Wasser gesammelt.
Wir werden sehen.
Mission Forest Reindeer
Die Waldrentiere haben es uns angetan.
Nach etwas Recherche finden wir einen Wanderweg, der für unser Vorhaben geeignet erscheint und nicht gleich über 50 Kilometer lang ist.
Etwas weiter westlich im Nationalpark sollen die scheuen Tiere den Sommer in kleinen Herden verbringen.
Das hört sich für uns schon fast nach einer garantierten Sichtung an.
Fast.
Wir verlassen unseren Stellplatz und fahren rund 20 Kilometer zum anderen Ende des Parks. Dort beginnt ein Rundweg durch eine Landschaft aus Mooren und Wäldern.
Schon die Beschilderung am Parkplatz macht Hoffnung. Auf einer Tafel wird erklärt, wie man die Spuren der verschiedenen Tiere unterscheiden kann. Der Fokus liegt dabei ausgerechnet auf Elchen und Waldrentieren.
Das muss doch funktionieren.
Also gehen wir los.
Über Bohlenwege und über Stock und Stein. Durch lichte Waldstücke und durch dichten Wald. Und immer wieder öffnet sich links von uns der Blick auf die Moorflächen.
Wir gehen langsam.
Immer wieder bleiben wir stehen und verhalten uns ruhig.
Manchmal hören wir nicht nur den Wind, sondern auch irgendwo ein Knacken im Wald.
Und wir sehen tatsächlich Tiere.
Vögel.
Fliegen.
Mücken.
Letztere vermutlich vor allem deshalb, weil es gerade einmal nicht regnet.
Nach knapp fünf Kilometern erreichen wir wieder die Straße und sind fast zurück am Parkplatz.
Ein wenig ernüchtert sind wir allerdings auch.
Kein Elch.
Und vor allem: kein Waldrentier.
Trotzdem gelohnt
Der Weg selbst ist deutlich weniger anspruchsvoll als unsere Runde gestern. Landschaftlich ist er dafür wunderschön.
Moore, Bohlenwege, Wälder und diese unglaubliche Ruhe.
Die Waldrentiere haben wir nicht gefunden.
Aber der Salamajärvi-Nationalpark ist uns in diesen beiden Tagen trotzdem ziemlich ans Herz gewachsen.
Hier werden wir bestimmt noch einmal hinkommen.
Vielleicht klappt es dann auch mit den Waldrentieren.











K-Citymarket
Wir sind weiter nach Osten unterwegs.
Irgendwann wollen wir schließlich an der russischen Grenze ankommen.
Jetzt sind wir aber erst einmal in Kuopio. Es ist allerdings schon nach 17 Uhr. Das bedeutet, dass die Museen geschlossen sind.
Waren sie ohnehin.
Es ist nämlich Montag.
Das war uns zu diesem Zeitpunkt nur noch nicht bewusst.
Dann können wir auch erst einmal ein paar Sachen einkaufen, die es in Perho nicht gab. Und dieser K-Citymarket, an dem wir gerade vorbeikommen, ist schließlich auch riesig.
Für die überschaubare Menge an Kleinigkeiten, die wir tatsächlich brauchen, benötigen wir erstaunlich lange.
Es gibt einfach viel zu viele Sachen zu entdecken.
Die wir dann größtenteils nicht kaufen.
Und so bleibt der Einkaufswagen erstaunlich leer.
Was uns allerdings noch fehlt, ist alkoholfreies Bier.
Also fragen wir nach.
Die Antwort ist etwas überraschend: Alkoholfreies Bier hätten sie hier nicht. Dafür müssten wir zum Alkoholladen.
Okay.
Warum das so ist?
Keine Ahnung.
Wir vermuten irgendeine finnische Besonderheit, die wir bislang noch nicht verstanden haben.
Aber in ein paar Tagen werden wir feststellen, dass die Erklärung eine ganz andere ist.
Also auf zum Alkoholladen.
Dort ist die Auswahl an alkoholfreiem Bier tatsächlich ziemlich groß. Belgisches Bier. Deutsches Bier. Französisches Bier.
Die Managerin, die ich nach alkoholfreiem Bier frage, ist auf diese internationale Auswahl auch ziemlich stolz.
Nur möchte ich eigentlich finnisches Bier.
Da gibt es genau eines.
Crisp.
Na gut.
Dann nehmen wir eben das.




Das ABC des Tankens
Im Gegensatz zu Schweden gibt es in Finnland aktuell keine vergleichbare temporäre Steuersenkung, die die hohen Benzin- und Dieselpreise abfedert.
Das merken wir.
Diesel ist hier ähnlich teuer wie zu Hause in Deutschland.
Und noch etwas ist anders als in Schweden: Die Preise zwischen den einzelnen Tankstellen unterscheiden sich teilweise erheblich.
Unterwegs haben wir Diesel für 2,25 Euro pro Liter gesehen.
An dieser ABC-Tankstelle sind es dagegen „nur“ 2,07 Euro.
„Nur“.
Dafür müssen wir hier erst einmal warten, bis eine Zapfsäule frei wird.
Unser bisheriger Eindruck: ABC und St1 gehören zu den günstigeren Tankstellen.
Das werden wir uns merken.
Wobei ich von meinen Winterreisen weiß, dass auch Neste durchaus günstig sein kann.
Heute nur irgendwie nicht.
Also vollgetankt.
Ein Vermögen ausgegeben.
Reden wir nicht darüber.


Kuopio Downtown
Kuopio ist keine besonders alte Stadt – zumindest nicht nach europäischen Maßstäben.
Gegründet wurde sie 1775 vom schwedischen König Gustav III. Durch ihre Lage am Kallavesi-See entwickelte sie sich zu einem wichtigen Handels- und Verwaltungszentrum der Region Savo.
1809 wurde Finnland Teil des Russischen Reiches. Kuopio blieb ein regionales Zentrum und wuchs im Laufe des 19. Jahrhunderts weiter. Schifffahrt, Eisenbahn, Schulen und Druckereien spielten dabei eine wichtige Rolle. Gleichzeitig entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum finnischer Kultur und der aufkommenden Nationalbewegung.
Heute ist Kuopio eine der größten Städte Ostfinnlands.
Von der Stadt des 18. und 19. Jahrhunderts scheint im heutigen Zentrum allerdings nicht mehr besonders viel übrig geblieben zu sein.
Zumindest ist das unser Eindruck beim Rundgang.
Vereinzelt stehen noch ältere Gebäude zwischen deutlich jüngerer Bebauung. Und natürlich finden sich auch Spuren aus der Zeit, in der Finnland zum Russischen Reich gehörte. Architektonisch ist die Innenstadt allerdings vor allem von Gebäuden des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart geprägt.
Und damit erinnert uns Kuopio durchaus an einige andere Städte, die wir auf unseren Reisen durch Skandinavien und Finnland gesehen haben.
Unsere Parkplatzwahl sorgt derweil für ein ganz anderes Problem.
Wir sind auf einen Parkplatz in der Nähe der Innenstadt gefahren. Keine Höhenbeschränkung. Keine Einschränkung hinsichtlich der Fahrzeugart.
Alles gut.
Zumindest bei der Einfahrt.
Denn beim genaueren Blick auf die möglichen Ausfahrten stellen wir fest, dass die Äste der Bäume dort für unseren Van einfach zu tief hängen.
Wir können also nur auf demselben Weg wieder hinaus, auf dem wir hereingekommen sind.
Auch eine Art von Höhenbeschränkung.
Morgen werden wir vermutlich nicht noch einmal in die Innenstadt zurückkehren.
Stattdessen geht es weiter nach Osten.
Richtung Russland.






Näkötorni
Näkötorni
Für die Nacht stehen wir am Rand des kleinen Schutzgebietes unterhalb des Aussichtsturms von Neulamäki.
Näkötorni.
So heißt ein Aussichtsturm auf Finnisch.
In einer Regenpause machen wir uns zu schon etwas fortgeschrittener Stunde noch auf den Weg nach oben.
Etwa drei Kilometer. Rund 150 Höhenmeter. Und am Ende noch 183 Stufen bis auf den Turm.
Und das Ganze natürlich auch wieder zurück.
Vielleicht bekommen wir ja noch etwas vom Sonnenuntergang mit.
Oben angekommen hat sich der Aufstieg auf jeden Fall gelohnt. Vom Turm haben wir eine fantastische Aussicht über Kuopio und die Seenlandschaft Ostfinnlands.
Und wenn man ganz genau hinschaut, kann man sogar ein kleines Stück Schweden sehen.
Findet ihr es ebenfalls?
Auf dem Rückweg passiert dann natürlich das, womit niemand rechnen konnte:
Es fängt wieder an zu regnen.
Auf den letzten Metern kündigt sich mit noch entferntem Donnergrollen sogar ein Gewitter an.
Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig zurück zum Van und bleiben vom Gröbsten komplett verschont.
So viel Glück haben nicht alle.
Ein Paar, das uns auf unserem Rückweg noch entgegengekommen ist, erreicht kurze Zeit später ebenfalls den Parkplatz.
Deutlich nasser als wir.
Wir hatten offensichtlich ziemlich viel Glück.
Eigentlich sollte es heute nämlich gar nicht mehr regnen.






