Wir haben gut geschlafen.
Vielleicht sogar etwas zu lange.
Die ersten Spaziergänger sind bereits unterwegs. Und jemand von der Stadt hat inzwischen auch noch Kies und eine Rüttelplatte vorbeigebracht.
Ist aber wieder verschwunden.
Es wird wohl Zeit, dass wir langsam loskommen.
Ein Blick auf die Werte der Solareinspeisung verrät noch etwas anderes:
Da draußen muss die Sonne scheinen.
Und tatsächlich.
Sonnenbrillenwetter.
Nach den letzten regenreichen Tagen eine echte Wohltat.

Canyon oder wenn man das Navi nicht richtig programmiert…
Eigentlich erwarten wir, an einem Minenmuseum anzukommen.
Stattdessen stehen wir am Seinävuori-Canyon.
Wie das passieren konnte?
Ganz einfach.
Auf der Karte eine Markierung als Ziel angeklickt und nicht noch einmal kontrolliert, ob es auch wirklich die richtige ist.
Kann man machen.
Zum Glück stellt sich der Fehler ziemlich schnell als Glücksgriff heraus. Denn der Canyon ist einen Stopp allemal wert.
Die Wege sind nicht besonders lang. Wir starten unten und folgen dem schönen, kurzen Weg am Canyon entlang hinauf zum Aussichtspunkt.
Wer es bequemer haben möchte, kann allerdings auch direkt oben am Viewpoint parken.
Dann verpasst man aber den Weg durch den Canyon.
Und der wäre eigentlich ziemlich schade zu verpassen.








Nach diesem unerwarteten Ausflug haben wir nun das richtige Ziel im Navi, garantiert.
Outokumpu-Mine
Outokumpu – der seltsame Hügel
Der Name Outokumpu bedeutet übersetzt ungefähr „seltsamer Hügel“ – outo für seltsam und kumpu für Hügel oder Erhebung.
Und dieser Hügel hatte offenbar schon lange einen gewissen Ruf. Die Bewohner der Gegend beobachteten ungewöhnlich häufig Gewitter und Blitze rund um die Erhebung.
1910 fand man schließlich heraus, dass im Hügel etwas ziemlich Interessantes steckt:
Kupfer.
Und davon reichlich.
1914 wurde die Outokumpu Kopparverk gegründet, zunächst als gemeinsames Unternehmen des finnischen Staates und privater Eigentümer. Die ersten Anlagen zur Verarbeitung des Erzes entstanden direkt neben der Mine.
Der Start verlief allerdings nicht ganz reibungslos. Der Erste Weltkrieg, finanzielle Schwierigkeiten, Eigentümerwechsel und die politischen Wirren rund um die finnische Unabhängigkeit bremsten die Entwicklung.
Ende der 1920er Jahre entstand schließlich ein moderner Großbetrieb.
In den 1930er Jahren gehörte Outokumpu bereits zu den bedeutendsten Kupferproduzenten Europas. Gleichzeitig wurde die Verarbeitung immer weiter ausgebaut. Aus dem Erz entstanden nicht mehr nur Kupfer und Kupferkonzentrat, sondern unter anderem auch Drähte, Bleche, Rohre und andere Halbzeuge.
Aus einem Bergwerk war ein bedeutendes Industrieunternehmen geworden.
Der Kupferabbau hier in Outokumpu endete schließlich Ende der 1980er Jahre nach rund 75 Jahren.
Der Name verschwand damit allerdings nicht.
Ganz im Gegenteil.
Aus dem finnischen Kupferproduzenten entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts ein internationaler Metall- und Technologiekonzern. Seit den 2000er Jahren konzentriert sich Outokumpu auf rostfreien Edelstahl und gehört heute zu den großen Herstellern weltweit.
Die Mine, mit der alles begann, ist dagegen heute ein Museum und Industriedenkmal.
Und genau da wollten wir eigentlich schon vorhin hin.
Wenn wir nicht stattdessen am Canyon gelandet wären.



















Alte Brücke bei Siikakoski
Auch unser nächster Stopp hat mit der Industrialisierung der Region zu tun.
Die alte Brücke bei Siikakoski ist bei Google Maps eingezeichnet und hat so unsere Aufmerksamkeit geweckt.
Schon seit dem 18. Jahrhundert wurde hier die Wasserkraft genutzt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich rund um die Stromschnellen schließlich ein für die Region bedeutender Industriestandort. Es entstanden unter anderem ein Sägewerk und eine Textilfabrik mit Spinnerei, Weberei und Färberei.
Die alte Steinbrücke stammt ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Von der ursprünglichen Konstruktion sind heute noch zwei Bögen erhalten.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Wasserspiegel des oberhalb gelegenen Sees durch einen weiteren künstlichen Abfluss abgesenkt. Damit ging ein Teil der hier verfügbaren Wasserkraft verloren. Trotzdem wurde der Betrieb der Säge unter wechselnden Eigentümern noch weit bis ins 20. Jahrhundert fortgesetzt.
Das endgültige Ende kam ziemlich abrupt.
Am 17. November 1965 brannten die Weizenmühle sowie das angeschlossene Säge- und Hobelwerk ab.
Von dem einst bedeutenden Industriestandort ist heute kaum noch etwas zu sehen. Geblieben sind unter anderem eine restaurierte Roggenmühle, Reste alter Kanal- und Flussbauwerke – und diese alte Steinbrücke.
Ein Anwohner erzählt mir, dass es Pläne gibt, die Brückenruine nicht nur zu erhalten, sondern sie wieder in ihrer ursprünglichen Form aufzubauen und in das örtliche Freilichtmuseum zu integrieren.
Ob und wann das tatsächlich passiert?
Keine Ahnung.
Schön wäre es.

Kontiolahti oder die Suche nach einem Stellplatz
Nicht die beste Option für die Nacht – es ist ein Platz für Angler mit Slipway für Boote.
Die Beschreibung in P4N war positiver als unser Verdikt.
Wir fahren weiter.

Kontiolahti Uimapaikka
Dieser Uimapaikka – also Badeplatz – liegt auf einem ehemaligen Kasernengelände nördlich von Joensuu.
Hier werden wir die Nacht verbringen.
Obwohl es schon relativ spät ist, als wir ankommen, haben wir Glück: Die Instagram-taugliche Landzunge direkt am Wasser ist noch frei.
Also unsere.
Ein polnisches Paar steht mit seinem Van dagegen direkt am Wasser des eigentlichen Badeplatzes.
So „dreist“ wären wir wahrscheinlich nicht gewesen.
Wir bleiben lieber etwas abseits und machen es uns auf unserer Landzunge gemütlich.
Am Abend wird wieder gegrillt.
Also in unserer inzwischen bewährten experimentellen Variante: Würstchen aus der Pfanne, draußen auf dem Gaskocher zubereitet.
Dazu gibt es Karhu und Sandels.
Schließlich müssen wir noch herausfinden, welches finnische Bier das Zeug dazu hat, Pripps Blå zu ersetzen.
Es gibt schlechtere Forschungsprojekte.





