Tag 15: Luleå bis Moskosel

Luleå bis Moskosel – heute starte ich in Luleå und werde abends nach zwei Highlights und einigem an Begegnungen mit dem arktischen Wildlife Moskosel erreichen.

Luleå

Der Platz hier war erstaunlich ruhig, und ich habe wirklich gut geschlafen.

Abends tauchten zwar noch kurz ein paar offensichtlich junge Erwachsene mit ihren modifizierten Fahrzeugen auf der anderen Seite des Parkplatzes auf.
Aber genauso schnell, wie sie gekommen waren, verschwanden sie auch wieder.

Seitdem ist bis zu meinem ersten Kaffee heute Morgen kein einziges Auto mehr vorbeigekommen – oder zumindest nach meiner Wahrnehmung.

Jetzt nimmt der Verkehr langsam wieder zu – offensichtlich zieht es die Leute erneut in Richtung Ice Road.

Bevor ich weiterfahre, mache ich noch einen kleinen Spaziergang entlang dieses Badplats und fotografiere ein wenig.

Eigentlich handelt es sich hier wohl eher um den örtlichen Nacktbadeplatz.

Allerdings wage ich zu behaupten, dass sich heute bei –20 °C vermutlich niemand unbekleidet an den Strand begeben wird. Eislöcher gibt es ohnehin nicht.

Der Frühstückskaffee ist zu diesem Zeitpunkt natürlich längst Geschichte.

Ice Road again

Weil mir das gestern einfach zu viel Spaß gemacht hat, bin ich heute schon wieder auf einer Ice Road unterwegs.

Normalerweise fährt hier eine Fähre zwischen den Inseln hin und her.
Aktuell übernimmt das allerdings einfach die gefrorene Ostsee.

Offiziell ist die Strecke momentan für Fahrzeuge bis 12 Tonnen freigegeben.
Ein Satz, den man in Mitteleuropa auch nicht alle Tage liest.

Eigentlich gilt auf der Eisstraße übrigens ein Halteverbot.

Praktisch scheint das hier allerdings eher als…
freundliche Empfehlung interpretiert zu werden.

Denn natürlich bleiben trotzdem viele stehen – vermutlich, weil man nicht jeden Tag mit dem Auto über das Meer fährt.

Die Temperaturfrage bleibt ebenfalls interessant:

Polarsteps behauptet, es seien etwa –16 °C gewesen.
Das Auto hingegen war der Meinung, wir lägen eher bei –23 °C.

Irgendwo dazwischen wird wohl die Wahrheit liegen.

Kalt war es jedenfalls definitiv genug,
um problemlos über die Ostsee fahren zu können.

Storforsen

n diesem Wasserfall war ich schon einmal – vor ein paar Jahren.

Damals lag deutlich weniger Schnee, dafür war alles extrem vereist.
Unvorbereitete Touristen sind dort reihenweise ins Rutschen geraten.

Für eine Dame musste sogar ein Rettungswagen kommen.

Dieses Mal sieht die Situation anders aus.
Mehr Schnee, etwas weniger blankes Eis – und vor allem:
Ich weiß inzwischen ziemlich genau, worauf ich mich hier einlasse.

Dank der Ortskenntnis kann ich mich vollständig auf das Fotografieren konzentrieren und die passenden Spots im langsam verschwindenden Licht direkt und ohne Umwege ansteuern.

Das macht einen erstaunlich großen Unterschied –
vor allem, wenn die Finger bei Minusgraden ohnehin nur begrenzt motiviert sind, lange draußen zu arbeiten.

Arvidsjaurs kommun

Endlich

Ein paar Rentiere, bei denen ich tatsächlich anhalten und fotografieren kann.

Nicht nur kurz aus dem fahrenden Auto sehen, nicht im falschen Moment hinter einer Kurve verschwinden –
sondern wirklich fotografieren.

Später begegnet mir dann sogar noch eine richtig große Herde.

Allerdings gibt es dabei ein kleines Problem:

Ich befinde mich inzwischen in einem militärischen Sperrgebiet.

Und dort gilt ziemlich eindeutig:
nicht fotografieren.

Also bleibt dieses Motiv ausschließlich im Kopf –
und nicht auf der Speicherkarte.

Moskosel Camping och Stugor

Heute steht mal wieder etwas ganz Exotisches auf dem Programm:

Duschen.

Dafür habe ich auf einem kleinen Campingplatz eingecheckt.

Seit ein paar Tagen versuche ich außerdem noch, spontan eine Hundeschlittentour zu bekommen.
Bisher allerdings ohne Erfolg.

Die Absagen fallen dabei sehr unterschiedlich aus:
mal ausgesprochen freundlich, mal eher sachlich-kurz und manchmal so knapp, dass vermutlich sogar der Hundeschlitten selbst ausführlicher kommunizieren würde.

Offenbar ist spontan in der Hauptsaison doch schwieriger als gedacht.

Da das mit den Huskys bisher also nicht geklappt hat, wird morgen Plan B verfolgt:

Schneemobil.

Und zumindest Lis an der Rezeption des Campingplatzes wirkt ausgesprochen zuversichtlich, dass sich da etwas organisieren lässt.

Als ich nach meinem kleinen Abendessen zum Abwaschen gehe, entdecke ich über dem See ein leichtes Grün am Himmel.

Direkt über mir ist der Himmel klar, nur im Norden hängen Wolken.
Vielleicht entwickelt sich dahinter ja noch etwas.

Zeit hätte ich jedenfalls genug –
und mit etwa –20 °C ist es heute auch nicht außergewöhnlich kalt.

Man kann tatsächlich erahnen, was sich hinter den Wolken abspielt.
Immer wieder schimmert es leicht durch, als würde dort irgendwo ein größeres Schauspiel stattfinden, das sich nur nicht ganz zeigen möchte.

Und so setze ich mit mit meinem Campingstuhl, warm verpackt auf den See und warte.

Leider bleibt es genau dabei:
beim Erahnen.

Nach etwa zwei Stunden draußen entscheide ich mich dann doch für die deutlich wärmere Alternative und ziehe mich wieder in den Van zurück.

Irgendwann gewinnt selbst die Hoffnung auf Polarlichter
gegen –20 °C nicht mehr jede Diskussion.

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