Tag 11: Melfjord bis Fjordbotn

Melfjord bis Fjordbotn – heute habe ich großes vor. Es soll in Richtung Tromø gehen. Vielleicht werde ich einen Rundgang durch die Stadt machen und irgendwo in der Nähe schlafen. Aber es kommt ganz anders als gedacht, denn Wetter und technische Probleme führen dazu, dass der ganze Plan etwas schwierig zu realisieren ist.

Melfjord

Wir erinnern uns:
Gestern bin ich auf diesem Rastplatz an der Straße gelandet.

Auch wenn ich ein gutes Stück von der Fahrbahn entfernt stehe, ist der Verkehr durchaus wahrnehmbar.
Gestern Abend war sogar noch einiges los.

Umso erstaunlicher:
Ich habe eine ruhige Nacht verbracht.

Jetzt ist es früh, und ich bin schon fast abfahrbereit.

Der erste Abschnitt des Tages führt mich nach Husøy.

Was danach kommt, wird sich zeigen.

Für heute – und auch die nächsten Tage – ist Schneefall angekündigt.
Wie sich das auf die Planung auswirkt, bleibt abzuwarten.

Aber letztendlich gilt hier oben ohnehin:

Man passt sich der Situation an – nicht umgekehrt.

Und genau deshalb ist es gar nicht so schlecht,
wenn die Planung nicht allzu präzise ist.

Husøy

Husøy – eine kleine Insel mit einem offenbar ebenso charmanten Ort.

Um diesen zu besuchen, sollte man sein Fahrzeug unbedingt vor dem Damm abstellen, der Husøy mit Senja verbindet.
Bei der Menge an Besuchern ist es nur fair, die Einheimischen nicht zusätzlich mit unnötigem Verkehr zu belasten.

Außerdem gilt:
Für größere Fahrzeuge ist die Weiterfahrt ohnehin nicht erlaubt.

Soweit die Theorie.

In der Praxis endet mein Plan jedoch schon am Parkplatz:
Baustelle.

Der gesamte Bereich ist belegt – Maschinen, Absperrungen, Fahrzeuge.
Kurz gesagt:
Heute gibt es keine legale Möglichkeit, hier zu parken.

Und weiter darf ich nicht.

Also Plan B:

Ein Wanderparkplatz oberhalb.

Von dort wären es etwa 3 Kilometer bis zum Damm – entlang einer schmalen Straße, auf der trotz allem Verkehr herrscht.

Nicht unbedingt das, was man sich für einen entspannten Spaziergang vorstellt.

Also erst Kaffee machen.

Und die Pläne für heute…
neu sortieren.

Also wird der Plan leicht angepasst:
Husøy wird ausgelassen, und ich mache mich direkt auf den Weg in Richtung Tromsø.

Dafür muss ich allerdings erst einmal einen Fjord weiter –
inklusive Fähre.

Ein Blick auf den Internetfahrplan ergibt:
Heute fährt sie nicht mehr.

Und morgen vermutlich auch nicht.
Das Wetter soll zu schlecht werden.

Aber…
mit Internetfahrplänen habe ich ja inzwischen so meine Erfahrungen gemacht.

Also bleibt eine gewisse Resthoffnung,
dass die Realität vielleicht doch wieder eine
leicht abweichende Interpretation bereithält.

Botnhamn

Es sind nur ein paar Kilometer – also fahre ich hin und schaue mir die Lage vor Ort an.

Die Anzeige bestätigt, was die App bereits gesagt hat:
Keine Fähre mehr heute.

Nach und nach tauchen auch andere potenzielle Fahrgäste auf.
Ein kurzer Blick auf die Anzeige, ein paar Minuten Warten –
und dann verschwinden sie wieder oder parken irgendwo im Hafen.

Ein kleines, stilles Kommen und Gehen.

Ich bleibe noch einen Moment stehen.
Denn jetzt muss ich eine Entscheidung treffen:

Tromsø und die vorgelagerten Inseln auslassen und zurück nach Finnsnes fahren –
oder morgen noch einmal mein Glück versuchen.

Inzwischen werden auch einige Straßen auf Senja wetterbedingt gesperrt.
Die Lage wird also nicht unbedingt stabiler.

Es ist einer dieser Momente, in denen es keine perfekte Lösung gibt.

Wenn weiter hoffen nicht hilfreich ist, muss man halt noch einmal
umplanen.

Fjordbotn Camping

Ich habe mich entschieden:

Ich bleibe und warte ab, ob die Fähre morgen vielleicht doch von Botnhamn fährt.

Einen Campingplatz wollte ich heute ohnehin ansteuern –
und so checke ich, begleitet von leichtem Schneetreiben, bereits am frühen Nachmittag ein.

Der Platz wird von einem doch etwas betagten Ehepaar betrieben.
Beide sind unglaublich herzlich und bemüht.

Die Kommunikation läuft… sagen wir:
mit einem gewissen kreativen Anteil.

Als ich erwähne, dass ich ein paar Brocken Schwedisch spreche, wird direkt getestet, ob ich nicht vielleicht auch Norwegisch verstehe.

Die Antwort ist ehrlich:

Ein bisschen vielleicht –
aber definitiv nicht genug für ein flüssiges Gespräch.

Was allerdings erstaunlich gut funktioniert, ist das, was hier oben oft wichtiger ist als perfekte Sprache:

Ein paar Worte, ein Lächeln –
und der Rest ergibt sich irgendwie von selbst.

Blaue Stunde

Eigentlich wollte ich nur duschen gehen, aber das Licht ist so genial, dass ich unbedingt vorher noch ein paar Fotos machen muss.

Es hat übrigens kurz vorher aufgehört zu schneien. Wenn der Himmel jetzt noch aufklart…

Abendessen

Im Extra-Supermarkt in Finnsnes gab es tatsächlich vegane Patties.

Also ist die Entscheidung für heute schnell getroffen:
Burger.

Die zwei übrig gebliebenen Brioche-Brötchen warten ohnehin schon auf ihren Einsatz.

Gut…
einen habe ich gemacht.
Der zweite ist dann eher ein Projekt für morgen.

Das Ei musste ebenfalls noch weg –
also hat es sich kurzerhand auf dem Burger wiedergefunden.

Vanlife-Küche eben:
Man kombiniert, was da ist –
und nennt das am Ende ganz selbstbewusst
ein durchdachtes Gericht.

Grün am Himmel

Kaum bin ich mit dem Essen fertig, passiert es wieder:

Draußen wird es grün.

Also nichts wie raus.

Für die Aufnahmen nutze ich ein Weitwinkelobjektiv mit manuellen Einstellungen.
Gerade bei offener Blende ist es entscheidend, den Fokus exakt zu treffen.

Und genau da beginnt die eigentliche Herausforderung:

Während ich draußen stehe, kühlt das Objektiv langsam aus.
Und mit der Temperatur verändert sich auch der Fokus.

Das bedeutet:
ständig nachjustieren.

Im Dunkeln.
Mit Handschuhen.
Und unter einem Himmel, der sich nicht unbedingt die Zeit nimmt, geduldig zu warten.

Kurz gesagt:

Ich habe heute viele Bilder gemacht.
Und werde später…
viele Bilder löschen.

Aber so ist das eben:
Manchmal gehört zur perfekten Aufnahme auch eine ganze Reihe
nicht ganz perfekter Versuche.

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