Tag 12: Fjordbotn bis Brensholmen

Fjordbotn bis Brensholmen: Heute haben wir viel vor. Wie so oft, kommt alles anders als geplant. Und so müssen wir unseren Tag wieder anpassen. Das hat auch etwas Gutes. Und so erreichen wir abends Brensholmen.

Ein guter Morgen

Es ist früher Morgen.
Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, aber es wird bereits langsam hell.

Ich bin wach – liege aber noch im Bett.

Ein Blick aufs Mobiltelefon verrät:
Es ist kalt.

Erstaunlich kalt.

–18 °C.
Direkt am Meer hatte ich das so nicht erwartet.

Aber gut – der Norden hat seine eigenen Regeln.

On the bright side:
Die Fähre fährt heute wieder.

Zumindest behauptet das die App.

Und nach allem, was ich bisher gelernt habe, bedeutet das:
Es besteht eine realistische Chance, dass ich meinen Weg in Richtung Tromsø fortsetzen kann.

Sonnenaufgang


Während ich bei Kaffee und einem kleinen Frühstück nach draußen schaue, entwickelt sich eine richtig schöne Lichtstimmung zum Sonnenaufgang.

Man merkt sofort, wie weit nördlich ich mich befinde.
Die Farben wirken gedämpft, fast schon wie in der Polarnacht – ein weiches, kaltes Licht, das die Landschaft in eine ganz eigene Stimmung taucht.

Die Berge, die ich sehe, sind übrigens genau der Blick aus meinem Fenster.

Ein klarer Vorteil in diesem Moment:
Ich kann ganz entspannt aus dem Van heraus fotografieren –
und muss nicht hinaus in die immer noch –18 °C.

Manchmal ist der beste Fotospot eben genau der,
an dem man es gleichzeitig auch warm hat.

Botnhamn Ferjekai

Ob wir da noch mitkommen?

Der Plan für heute ist klar:
Ich verlasse Senja in Richtung Tromsø.

Der Hafen von Botnhamn ist nicht weit entfernt, und mein Stellplatz am Campingplatz in Fjordbotn verschafft mir so etwas wie eine Pole-Position.
Zumindest bilde ich mir das noch ein.

Nach dem gestrigen Ausfall der Fähre ist klar, dass die erste Verbindung heute gut gefüllt sein wird.
Also entscheide ich mich bewusst für die zweite Fähre am späteren Vormittag.

Der Vorteil:
Kein Stress, kein Hetzen.

Beim Abschied bleibt sogar noch Zeit für ein wenig Smalltalk mit den Besitzern und einem Local, der gerade entspannt seinen Kaffee trinkt.

Eine Viertelstunde später stehe ich am Hafen.

Und die Schlange ist…
länger als erwartet.

Die Frage, ob ich es auf diese Fähre schaffe, wird sich in den nächsten 30 Minuten klären.

Und dann ist sie geklärt.

Die Antwort lautet:
Nein.

Der Van ist zu groß.
Ich werde aus der Schlange herausgewunken.

Zwei kleinere Autos hinter mir schaffen es noch an Bord.

Also:
nächster Versuch um 16 Uhr.

Immerhin bleibt mir so noch Zeit für einen kleinen Rundgang durch den Hafen.

Man muss die Dinge nehmen,
wie sie kommen.

Tungeneset und unterwegs

Was mache ich nun?

Das Wetter ist – sagen wir – anders als vor zwei Tagen.
Ob schlechter oder besser, liegt wie so oft im Auge des Betrachters.

Denn eigentlich gilt:
Jedes Wetter hat seine eigenen Motive.

Ich frage mich also, wie es wohl bei Tungeneset aussieht – ganz ohne Sonne.
Also fahre ich noch einmal dorthin.

Vorgestern war es noch eine kleine Herausforderung, überhaupt einen Parkplatz zu bekommen.
Heute hingegen kann ich mir ganz entspannt einen aussuchen.

An der Location selbst bin ich – wenig überraschend – fast allein.
Kein Gedränge, kein Warten, kein „Wer steht hier im Bild?“.

Ein deutlicher Unterschied.

Später mache ich mich langsam wieder auf den Weg Richtung Botnhamn.
Unterwegs halte ich Ausschau nach möglichen Fotospots – idealerweise mit Parkbucht oder zumindest einem Platz, an dem ein Van nicht allzu sehr stört.

So arbeite ich mich Stück für Stück voran, von Gelegenheit zu Gelegenheit.
Mal nur ein kurzer Blick, mal ein Foto – mit Kamera oder Drohne.

Und natürlich gehört auch das inzwischen fast schon Erwartbare dazu:

Wieder ist jemand von der Straße abgekommen.

Diesmal allerdings kein spontaner Selbstversuch, sondern ein Fall für die Profis.
Ein 40-Tonner, der entsprechend fachgerecht geborgen wird.

Auch das ist Teil des Winters hier oben.

Botnhamn Ferjekai

Nächster Versuch…

Und diesmal klappt es.

Als letztes großes Fahrzeug schaffe ich es tatsächlich noch auf die Fähre.

Allerdings…
wirklich knapp.

So knapp, dass ich nicht einmal mehr aussteigen kann.
Die Türen bleiben zu – im wahrsten Sinne des Wortes.

Also sitze ich im Van und genieße die Überfahrt…
auf meine ganz eigene Art.

Und dann wird es unerwartet beweglich:

Draußen hat sich ein ordentlicher Seegang aufgebaut.
Damit hatte ich nicht gerechnet.

Das Schiff schaukelt spürbar –
und der Van gleich mit.

Eine eher dynamische Art der Fortbewegung einer andern Art.

Brensholmen

Im dichten Schneetreiben erreiche ich schließlich die nächste Insel.

Da es ohnehin bereits dunkel ist, entscheide ich mich pragmatisch für den Hafen als Übernachtungsplatz.
Ich meine mich zu erinnern, dass Kai hier auch schon einmal gestanden hat. (Später finde ich heraus, dass er in Botnhamn stand)

Zum Abendessen gibt es heute eine bewährte Resteverwertung:
der zweite Burger.

Diesmal ohne Ei – das ist inzwischen Geschichte –
und mit einem noch etwas stärker beanspruchten Brioche.

Geschmacklich tut das der Sache allerdings keinen Abbruch.

Für morgen stehen die nächsten Inseln auf dem Plan.
Danach wird sich zeigen, ob ich direkt wieder Richtung Süden fahre
oder noch eine weitere Insel im Norden mitnehme.

Aber wie so oft auf dieser Reise gilt:

Die Entscheidung fällt morgen.

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